12062020 Olympia Petitionsplattform

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Einführung eines Gemeinwohl-Produkts zusätzlich zum Bruttoinlandsprodukt

Gemeinwohl-Ökonomie Deutschland e.V. Gemeinwohl-Ökonomie Deutschland e.V.  •  2020-04-24  •  Zeit nach Corona  • 

Gemeinwohl-Ökonomie

Wortlaut der Petition

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass zusätzlich zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) ein Gemeinwohl-Produkt eingeführt wird, welches das Wohlbefinden der Bevölkerung misst. Die (etwa) 20 Teilziele soll zunächst der Bundestag festlegen. Nach fünf Jahren bestimmen die Bürger*innen sowohl die Teilziele als auch die Indikatoren für das Gemeinwohl-Produkt in kommunalen Bürger*innenbeteiligungsprozessen selbst. Der Bundestag entwickelt die dafür nötigen Infrastrukturen.

Begründung

Ziel sollte ein gutes Leben für alle sein, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als aktueller Erfolgsindikator, gibt jedoch nur den Gesamtwert aller hergestellten Waren und Dienstleistungen an. Das BIP misst damit den materiellen Wohlstand, jedoch nicht die gesamtgesellschaftliche Lebensqualität. Ein Anstieg des BIPs bedeutet z.B. nicht zwingend eine Verbesserung der Lebensqualität der Bürger*innen. Das BIP kann auch steigen, wenn wir einen Krieg haben oder den letzten Baum fällen. Zudem sagt es weder etwas über Menschenrechte noch über Produktionsbedingungen oder Verteilung des Wohlstands aus. Die ökologische Nachhaltigkeit, welche die Grundbedürfnisse und die Grundwerte der Bevölkerung schützt, wird komplett außer Acht gelassen. 

 

Laut einer Umfrage des Bundesumweltministeriums befürworten nur 18 Prozent, dass das BIP als höchstes Ziel der Wirtschafts- und Sozialpolitik gilt.  Umfragen in anderen Staaten kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Daher ist es wichtig, einen Messwert einzuführen, der repräsentativ für das Wohl der Menschen steht und an dem sich die Regierung orientieren kann. 

 

Im Gegensatz zum BIP ist das Gemeinwohl-Produkt ein demokratischer Wohlfahrtsindex. Die Bürger*innen entscheiden selbst, welche Faktoren ihr Wohlergehen steigern. Steigt das Gemeinwohl-Produkt, ist die Verbesserung der Lebensqualität der Bürger*innen somit gewiss. Ein Gemeinwohl-Produkt könnte zukünftig anhand repräsentativer Indikatoren, z.B. Gesundheit, Bildung, Teilhabe, sozialer Zusammenhalt, ökologische Stabilität, Sicherheit und subjektives Wohlbefinden, direkt die Zielerreichung und damit den Erfolg einer Volkswirtschaft messen. Mit einem Gemeinwohl-Produkt wird das Gemeinwohl als oberstes Ziel der Regierung angesehen.

 

Eine Orientierung für das Gemeinwohl-Produkt können die Regierungen von Schottland, Island und Neuseeland geben, welche bereits die Gruppe der “Regierungen der Wohlfahrtswirtschaft” gegründet haben. Weitere Inspiration können zudem der Better Life Index der Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD), das Bruttosozialglück, welches die Regierung von Bhutan erhebt sowie der “World Happines Report” der UN bieten.

 

Die Aufgabe einer Regierung ist für das Wohl ihrer Bürger*innen zu sorgen. Daher schlagen wir optional vor, dass alle Unternehmen und Einrichtungen im Eigentum oder unter der Kontrolle des Bundes eine Gemeinwohl-Bilanz erstellen und damit aktiv ihren Beitrag zum Gemeinwohl darstellen. Weiterhin sollten private Unternehmen darin angeleitet und gefördert werden freiwillig eine Gemeinwohl-Bilanz zu erstellen.

 

Neuseelands Premierministerin Ardern sagte: “Eine Wirtschaft, die auf Kosten ihrer Bevölkerung wachse und Menschen zurücklasse, werde am Ende niemanden nützen.”

 

Weiterführende Informationen

Die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) ist eine weltweite Bewegung, welche ein Konzept für ein zukunftsfähiges gemeinwohlorientiertes Wirtschaften bietet.

Dieses Konzept sieht ein ethisches marktwirtschaftliches Wirtschaftssystem vor und hat einen größtmöglichen Beitrag zum Gemeinwohl als Ziel. Dank einer Gemeinwohl-Bilanz wird der Beitrag eines Unternehmens zur Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit sowie Mitbestimmung und Transparenz messbar und für Bürger*innen sichtbar.

Mit Bürger*innenbeteiligungen soll die Möglichkeit zum Mitgestalten und Entscheiden gegeben und das Wirtschaftssystem legitimiert werden.

Wir sind überzeugt, dass wir in der Wirtschaft nach Werten leben können, wie sie im Familien- und Freundeskreis selbstverständlich sind.

"GWÖ" kurz erklärt: https://www.youtube.com/watch?v=j2ZuiE-U1rk

Dieser Vorschlag wird unterstützt von:

Gemeinwohl-Ökonomie Deutschland e.V.

Kontaktiere mich gerne zu diesen Vorschlag:

jutta.hieronymus@ecogood.org, neno.rieger@ecogood.org

Kontaktiere mich gerne, wenn du dich offline zu diesem Vorschlag austauschen möchtest. Für mich wäre dies möglich in:

Berlin & Deutschlandweit


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