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Kurzarbeit und Teilzeit PLUS als Recht

Sebastian Neubert Sebastian Neubert  •  2020-04-24  •  Zeit nach Corona  • 

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Wortlaut der Petition

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass Arbeitnehmer*innen, die in Kurzarbeit arbeiten, diese selbstgewählt als Kurzarbeit Plus auf bis zu 18 Monate ausweiten dürfen. Er möge außerdem beschließen, dass Angestellte selbstgewählt bis zu 3 Jahre in Teilzeit Plus arbeiten können, wenn sie nebenher in gemeinnützigen Vereinen tätig sind.

Begründung

Die Bundesregierung rechnet damit, dass rund 2,35 Mio. Angestellte im Zuge der Corona-Pandemie in Kurzarbeit arbeiten. Für viele Menschen ist dies eine Belastung, für viele Andere könnte es jedoch auch eine Erleichterung sein. Umfragen zeigen, dass sich rund die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer*innen kürzere Arbeitszeiten wünschen. Im Schnitt wünschen sich Menschen eine 35-Stunden-Woche, wenn sie die entsprechenden finanziellen Einbußen in Kauf nehmen müssten.

Die Kurzarbeit könnte eine Gelegenheit für viele sein, Arbeitszeitmodelle mit kürzeren Arbeitszeiten zu erfahren, sich zufriedenheitsstiftende Tätigkeiten neben der Erwerbsarbeit aufzubauen und sich beispielsweise gesellschaftlich vermehrt zu engagieren. Es ist seit Jahren durch viele Studien belegt, dass Menschen mit höheren Arbeitszeiten statistisch höhere Umweltbelastungen verursachen, beispielsweise durch vermehrte Treibhausgas-Emissionen in der Mobilität oder vermehrten Konsum, vor allem aufgrund höheren Einkommens. Insbesondere Menschen hoher Einkommensklassen verursachen statistisch signifikant höhere Umweltbelastungen. Kürzere Erwerbsarbeitszeiten können auch über ein Mehr an frei verfügbarer Zeit dazu führen, dass insgesamt umweltfreundlicheres Verhalten an den Tag gelegt wird. Da durch Digitalisierung in Zukunft nach Prognosen ohnehin ein großer Teil der Arbeit wegfallen könnte, könnten kürzere Arbeitszeiten auch verhindern, dass Arbeitslosigkeit in Zukunft ansteigt.

Damit Menschen diese neuen Arbeitszeitmodelle selbstbestimmt ausprobieren können, wäre es wünschenswert, dass sie ein Anrecht auf Kurzarbeit Plus erhalten. Beenden Unternehmen die Kurzarbeit, hätten sie so die Möglichkeit, sie selbstbestimmt auf bis zu 18 Monate auszuweiten, wenn sie mindestens 50% beim Unternehmen beschäftigt bleiben. Danach hätten Menschen die Möglichkeit, entweder einen Antrag auf zeitlich nicht-begrenzte Teilzeit oder Brückenteilzeit zu stellen, wenn sie das neue Arbeitszeitmodell verstetigen wollen.

Damit insgesamt mehr Menschen von Teilzeit-Arbeitszeitmodellen profitieren, soll der Deutsche Bundestag außerdem das Recht auf Teilzeit Plus für Alle einführen. Dieses Recht soll es Arbeitnehmer*innen ermöglichen, ihre Arbeitszeit selbstbestimmt für bis zu 3 Jahre um bis zu 25% reduzieren zu können und die Hälfte der Lohneinbußen entsprechend den Regelungen zur Kurzarbeit kompensiert zu bekommen, wenn sie die Hälfte der frei werdenden Zeit in gemeinnützigen Vereinen aktiv sind.

Weiterführende Informationen

BAuA-Arbeitszeitbefragung: Arbeitszeitwünsche von Beschäftigten in Deutschland: https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Berichte/F2398-4.pdf?__blob=publicationFile&v=11

Der Vorschlag ordnet sich in das größere Modell der Optionszeiten ein, welches dafür plädiert, Menschen über ihren Lebenslauf verschiedene Zeiten für Tätigkeiten jenseits der Erwerbstätigkeit, wie Fürsorge für Kinder, Alte und Kranke, Weiterbildung und Selbstsorge einzuräumen. https://www.dji.de/themen/familie/optionszeiten.html

Es gab in der Stadt Dresden einen Modellversuch zu Teilzeit Plus, bei dem betriebliche Auftragsschwankungen von Handwerksbetrieben durch gemeinnützige Arbeit abgefangen wurden: http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/038/1603889.pdf

Kontaktiere mich gerne zu diesen Vorschlag:

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  • Majule

    Obwohl ich der Meinung bin, daß die wöchentliche Arbeitszeit grundsätzlich verringert werden sollte um die vorhandene Arbeit gerechter zu verteilen sehe ich diese Petition zumindest mal als einen Einstieg in neue Arbeitszeit- Modelle.

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  • Matchu Pitchu

    Vielen Dank für diesen hervorragenden Vorschlag. Eine solche arbeitszeitliche Entlastungen mit gleichzeitiger Wertschätzung von ehrenamtlichen Engagement fehlt im Moment in unserer Konzeption von Lohnarbeit. Zudem überzeugt mich, dass dieser Vorschlag unmittelbar auch umgesetzt werden könnte, da die politischen Grundlagen für zum Beispiel Kurzarbeitergeld und Teilzeitarbeit allesamt gelegt sind.

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