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Quote für Reisen mit erneuerbaren Energien statt noch mehr Flügen, Kreuzfahrten

Joa_Falkenhagen Joa_Falkenhagen  •  2020-04-22  •  Klima und Biodiversität  • 


Wortlaut der Petition

Im Personenverkehr über längere Strecken soll eine Mindestquote für die Nutzung nicht biogener erneuerbarer Energien festgesetzt werden, die bis 2050 stetig auf 100% ansteigt, in Industrieländern schon eher. Verpflichtete sind all diejenigen, die Flüge, Zug- und Schiffsreisen durchführen.

Begründung

Im Flugverkehr fehlt jeder Einsatz erneuerbarer Energien, abgesehen von PR-Aktionen mit biogenen Treibstoffen. Bei Fortsetzung seines beträchtlichen Wachstums würde der Flugverkehr zum dominierenden Faktor der CO2-Emissionen, wenn andere Sektoren dekarbonisiert werden. Die Emissionen in großer Höhe sind besonders klimaschädigend. Auch die Kreuzfahrtbranche macht keinerlei Anstalten, die Schiffe tagsüber in den Häfen mit Solarstrom vom Land aufzuladen und nachts elektrisch anzutreiben.

Klimaschutz im Reiseverkehr kann kurzfristig vor allem durch einen Ausbau des internationalen Schienenverkehrs und durch kürzere Flugreiseentfernungen erreicht werden. Fluggesellschaften und Pauschalreiseanbieter würden zur Einhaltung der Quote einen Teil ihrer Kunden in internationalen Zügen befördern und diese mit Ökostrom betreiben. Um lange, „verlorene“ Fahrtzeiten am Tage zu vermeiden, würde es sich häufig um Nachtzugverbindungen handeln. Manche Gesellschaften würden mit Komfort-Schlafwagen auf Geschäftsreisende abzielen. Ein Ryantrain könnte preiswerte Liegewagen bzw. Schlafkapseln anbieten, die auch tagsüber genutzt werden, und auf der Webseite für Flüge mit billigen Zugreisen werben. Andere Fluggesellschaften würden Verträge mit Bahngesellschaften abschließen. Pauschalreiseanbieter wie tui würden ihre Transfers und Rundreisen auf die Bahnhöfe ausrichten statt auf die Flughäfen, wo es geht. Die Quotenerfüllung würde zunächst auf den großen Destinationen auf dem Festland stattfinden, die meist auch an schnelleren Bahnstrecken liegen. Bei Inselzielen käme rail&fly in der Weise in Betracht, dass der größere Teil der Strecke im Zug gefahren wird (z.B. Deutschland bis Barcelona im Zug, dann ein kurzer Hüpfer nach Mallorca) statt heute der kleinere (z.B. ICE bis Frankfurt Flughafen).

Durch höhere Auslastung der Strecken verteilen sich die Kosten der Bahninfrastruktur auf mehr Züge, das Entgelt für die Streckennutzung (Trassenpreise) ginge zurück und verbilligt damit auch Zugfahren auf kürzeren Strecken. Das Marketing des Reiseunternehmens kann zur Quotenerfüllung Reisen zu näheren Zielen unterstützen und Fernreisen verteuern. Mittel- bis langfristig kommen neue Flugantriebe ins Spiel, insbesondere synthetische Brennstoffe und bei kürzeren Flugentfernungen vielleicht auch Batterien. Die entsprechenden Flugzeuge und deren Triebwerke müssen aber erst noch konstruiert werden, schon deshalb kann sich die Flugbranche bislang um sofort wirksame Vorgaben herumdrücken, deshalb die kombinierte Quote. Mit der Quotenregelung sollen beide Seiten der Verkehrswende gleichermaßen angestoßen werden und die wirtschaftlich durchaus gut geführten Reiseunternehmen ins Boot geholt werden. Die Abwägung zwischen mehr Angeboten im Landverkehr und mehr erneuerbaren Energien im Flugzeug richtet sich nach technisch-wirtschaftlichen Möglichkeiten und den Kunden. In anderen Zusammenhängen, etwa bei Straßenfahrzeugen, hat sich eine Quotenregelung als politisch in der EU durchsetzbar erwiesen.

Weiterführende Informationen

Die Quote könnte für die Summe aller Flüge und Schiffsbeförderungen und bei Bahnfahrten für die längeren Strecken (z.B. die 500 km überschreitenden Entfernungen) festgesetzt werden; Entfernungen, in denen heute meist geflogen wird. Ein Ausbau der Bahnnutzung auf kürzeren Strecken im Wettbewerb mit dem PKW-Verkehr wie auch der Anstieg des Anteils elektrifizierter PKW und der Nutzung erneuerbarer Energien zum Batterieladen würde mit anderen Mitteln verfolgt werden.

Die Quote könnte auf die gefahrene Strecke, auf die Umsatzerlöse durch Ticketverkauf oder auf den Energieverbrauch bezogen werden.

Kontaktiere mich gerne zu diesen Vorschlag:

falkenhagen5@meerwind.de


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  • MartinHuck

    Synthetische Treibstoffe werden wir wohl irgendwie brauchen, OK. Was mir aber fehlt ist der Umstand, dass wir insgesamt sehr viel ressourcenschonender leben müssen. Und eine Begründung lieferst du selber: "Die Emissionen in großer Höhe sind besonders klimaschädigend" und ich vermute, das gilt genauso für synthetische Treibstoffe. Ich glaube, dass wir ohne eine Einschränkung der Nutzung oder Beschädigung natürlicher Ressourcen nicht weiterkommen.
    Dazu müssen m.E.n. alle Ökokosten internalisiert und dem Verbraucher angezeigt werden, also z.B. die CO2 Kosten, aber auch die ökologischen Kosten synthetischer Treibstoffe. Ein präziser ökologischer Fussabdruck für jedes Transportmittel ist nötig. Wenn Verbraucher diesen aus einem persönlichen Öko-Bugdet bezahlen müssten, würde sich herausstellen zu welchen Ökokosten mit/ohne synthetische Treibstoff er fliegen möchte und eine Quote wäre obsolet. Kosten könnte man so sichtbar machen: https://petitionen.12062020.de/budgets/1/investments/254

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  • Joa_Falkenhagen
    Joa_Falkenhagen  •  Verfasser*in  •  2020-05-01 06:57:23

    Quoteneinhaltung: Als Gesetzgeber hat man bei moderatem Anspruch immer die Wahl zwischen einer knapp bemessenen Quote und gewissen Toleranzregeln (vgl. PKW-Flottenemissionen und Strafzahlungen) und einer strengen Quoteneinhaltung mit zum Ausgleich großzügigerer bemessener Menge der Quote (vgl. EU-Emissionshandel). Bei näherem Nachdenken würde ich in der Anfangszeit eher die Quote schärfer anziehen, dafür ausreichend hohe Strafen festsetzen, die z.B. mit dem Prozentsatz der Zielverfehlung zunehmen.

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  • Mario Kronwald

    Hallo dein Vorschlag finde ich ganz gut. Ich vermisse etwas die Konsequenzen also was passiert wenn die Quote von den Unternehmen nicht eingahlten wird? Zudem finde ich das Zieljahr 2050 etwas zuweit in der Ferne. Die Produktionszyklen sind in der Luftfahrt zwar lang aber ohne Anreize eine schnellere Lösung für regenerative Energien im Luftverkehr zu benutzen wird da nichts geschehen. Die Hersteller müssen mehr Verantwortung tragen und sollten möglichst schnellere Lösungen finden.

      • Joa_Falkenhagen
        Joa_Falkenhagen  •  Verfasser*in  •  2020-04-26 00:34:10

        "Was passiert wenn die Quote von den Unternehmen nicht eingehalten wird?"
        Ich dachte schon an eine recht harte Quote, die eben auch eingehalten wird. Am einfachsten wäre es, dann die Flugrechte zu verweigern. Das wirkt dann vielleicht ein paar Monate verzögert, bis alle Zahlen vorliegen, na und. Strafzahlungen und eine nachträgliche Ausgleichspflicht wären auch möglich. Das muss nicht alles in der Petition stehen.

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      • Joa_Falkenhagen
        Joa_Falkenhagen  •  Verfasser*in  •  2020-05-01 07:39:30

        Zieljahr 2050: Zunächst mal muss man sich die sinnvolle Reihenfolge verschiedener Schritte der Decarbonisierung vergegenwärtigen. Die lautet im Zweifel, und überlappend, als Ausdruck von Kosten und technischen Herausforderungen: * Kein Neubau mehr von Kohle-Infrastruktur *Schließung der Kohlekraftwerke, Hochlaufen des Anteils erneuerbarer Energien zur Stromerzeugung * Auslaufen der stationären Nutzung von fossilen Kohlenwasserstoffen (Heizungen, Erdgaskraftwerke, Elektrolandfahrzeuge), zunehmend power to gas * Flugbetrieb ohne Kohlenwasserstoffe. Das Fliegen ist also ganz hinten und für echte Langstrecken erst recht. Die Quote dient dann ja auch dazu, dass überhaupt etwas passiert.

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          • Joa_Falkenhagen
            Joa_Falkenhagen  •  Verfasser*in  •  2020-05-01 07:47:48

            100% bis 2050 bedeutet ja nicht 33% bis 2030 und 66% bis 2040, das ist offen gelassen. Und man könnte auch "100% bis 2045" aufschreiben und trotzdem 2030 noch gar nichts geschafft haben. 100% bedeutet, dass das letzte Flugzeug mit Kerosinantrieb stillgelegt wurde. Wahrscheinlich dauert es ca. 10 Jahre, bis der erste Typ eines Passagierflugzeugs mit neuen Antrieben entwickelt ist. Selbst dann gibt es noch wenige Orte, an denen die Stromversorgung stark genug decarbonisiert ist, damit power-to-X überhaupt Sinn macht. Weitere fünf Jahre, bis zahlreiche Modelle entwickelt worden sind und dann neue Flugzeuge keine Emissionen mehr verursachen. Dann sind wir schon bei 2035. Die nächsten 15 Jahre würden dann diese Flugzeuge in Stückzahlen gebaut werden und die alten sukzessive und vorzeitig außer Betrieb gehen.
            Wegen mir gern auch 5 Jahre eher.

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              • Joa_Falkenhagen
                Joa_Falkenhagen  •  Verfasser*in  •  2020-05-01 07:57:39

                Wir sind hier nicht der Gesetzgeber. Daher müssen wir über die Akzeptanz und Wirkung dieser Petition nachdenken. Bislang ist das Fossilen-Enddatum 2050 irgendwie unverbindlich beschlossen worden,aber es werden keine Anstalten gemacht,den schwierigsten Brocken, und das ist die Luftfahrt, irgendwie anzugehen. Stattdessen sieht CORSIA vor, die Emissionen beizubehalten und selbst Wachstum der Emissionen lediglich auszugleichen. Bei der Kohlenutzung, deren Beendigung 100 mal leichter ist als Flüge ohne Kerosin, wird in DE über 2038 diskutiert, anderswo werden Projekte erst begonnen. Mit einer bis 2050 auf 100% bzw. Null festgesetzten Quote und halbwegs ambitionierten Zwischenzielen käme ein Innovationsschub überhaupt erst in Gang. Der Status quo bedeutet ja, dass man in 10 Jahren irgendwie feststellen wird, dass man 2030 erst mal Entwicklungen neuer Technik anstoßen sollte. Ich bin sehr für eine sofortigen Kohleausstieg (CO2-Preise wirken da), aber in der Luftfahrt geht es nicht so schnell.

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                  • Joa_Falkenhagen
                    Joa_Falkenhagen  •  Verfasser*in  •  2020-05-21 12:07:36

                    MarioSchribe: "Die Produktionszyklen sind in der Luftfahrt zwar lang aber ohne Anreize eine schnellere Lösung für regenerative Energien im Luftverkehr zu benutzen wird da nichts geschehen."
                    Der Vorschlag sieht ja gerade vor, dass die Fluggesellschaften sofort in die Pflicht genommen werden. Produktionszyklus bedeutet ja Entwicklung der Produkte (Flugzeuge ohne fossile Energien), Hochlaufen der Produktion, Nutzung der neuen Produkte und allmählicher Austausch der betriebenen Flugzeuge; parallel dazu Aufbau der neuen Energieversorgung. Das dauert seine Zeit und es soll daher frühzeige Anreize geben. Quoten, die objektiv nicht erfüllbar sind, wird es nicht geben.

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  • Joa_Falkenhagen
    Joa_Falkenhagen  •  Verfasser*in  •  2020-04-22 21:00:40

    Zum Stromverbrauch:
    Bei der Herkunft des verwendeten Stroms für die Zugtraktion, das Laden von Batteriefahrzeugen und vor allem die Herstellung künstlicher Brennstoffe ist darauf zu achten, dass es sich um zusätzliche Kapazitäten handelt und diese nicht in Konkurrenz zur Verwendung erneuerbarer Energien für die bisherigen Stromverwendungen steht. Die Erzeugung synthetischer Brennstoffe würde überwiegend in Wüstengegenden mit preiswerter Solarstrom und ggf. mit Überschussstrom von Solaranlagen in gemäßigten Breiten erfolgen
    Bislang fehlen weithin noch die Voraussetzungen für die Erzeugung von synthetischen Brennstoffen mit Regenerativenergie-Strom; dies macht erst dann Sinn, wenn in der Region kein Strom mehr mit fossilen Brennstoffen erzeugt wird (diese Bedingung habe ich nicht direkt als Teil der Petitionsforderung formuliert, weil sie recht detaillierte Beschreibungen und Festlegungen erfordern würde).

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  • Joa_Falkenhagen
    Joa_Falkenhagen  •  Verfasser*in  •  2020-04-22 20:59:48

    Um eine Quotenerfüllung vor allem durch billige, unbequeme Massenbeförderung zusätzlicher Reisender zu vermeiden, würde ich eine Quote der Umsatzerlöse bevorzugen oder jedenfalls einbeziehen. Ein hoher Energieverbrauch durch besonders schnelle Züge wäre auch kein sinnvoller Anknüpfungspunkt, wesentlich ist die Reduzierung des Verbrauchs an Kerosin und Schiffsdiesel.
    Wenn die Quote für alle Flüge 100% erreicht hat, entfällt im Grundsatz die Notwendigkeit, zur Quotenerfüllung auch Zugverkehr anzubieten. Die Flüge müssen aber die entsprechenden Kosten erwirtschaften, und die Firmen möchten ihre Schienenfahrzeuge und ihre Marktposition weiterhin nutzen.
    Für den Güterverkehr mit Flugzeug, Schiff, Bahn und LKW wären ähnliche Regelungen denkbar, aber komplizierter zu formulieren.

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