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Nur noch eine Steuer: Fintax mit 3,4 %

Fin Tax Fin Tax  •  2020-04-22  •  Zeit nach Corona  • 

Fintax for future / insgesamt sind nur 3,4% erforderlich

Wortlaut der Petition

Der Deutsche Bundestag möge beschliessen: Durchführung einer öffentlichen 3-tägigen Expertenanhörung über die Möglichkeiten zur Einführung einer einzigen Finanzsteuer (Fintax) in Höhe von 3,4 % auf alle Finanztransfers inländischer Konten bei gleichzeitiger Streichung aller anderen in Deutschland erhobenen Steuern und Sozialabgaben. Die Expertenanhörung soll im Deutschen Bundestag bis spätestens zum 1.10.2020 durchgeführt und gleichzeitig online übertragen werden.

Begründung

Um einen modernen Staat zu organisieren, bedarf es Einnahmen. Die klassische Form der Einnahme eines Staates sind Steuern. Diese Steuern sollen verlässlich, gleichmäßig und möglichst gerecht erhoben werden. Auch soll der Aufwand der Steuererhebung gering sein. Aktuell gibt es in Deutschland fast 40 unterschiedliche Steuern. Hinzu kommen Abgaben, die über die Sozialversicherung d.h. für Krankheit, Rente, Arbeitslosigkeit und Pflege von den Bürgern eingezogen werden. 

Da das Steuerrecht nur noch von Experten zu überblicken ist, haben sich leider Mißbräuche stark ausgebreitet. Nachrichten über den CumEx-Skandal, über Paradise Papers sowie über Steuersparmodelle von Großunternehmen (Amazon, Apple etc.) machen deutlich, dass es einer Reform bedarf und - wenn möglich - ein einfaches und gerechtes neues Steuersystem sinnvoll wäre. 

Rechnen wir die Einnahmen des Staates sowie der Sozialversicherungen aus dem Jahr 2018 zusammen, so ergibt sich daraus der sogenannte "öffentliche Gesamthaushalt" (vgl. Quelle *1):

Bund + EU + Länder und Gemeinden + Sozialversicherungen (Krankenkassen, Pflege, Rente, Arbeitslosigkeit)

Gesamt: 1.428 Mrd. €

Nun ermitteln wir die Menge an Geld, die im Jahre 2018 in Deutschland als Zahlungen von Konto zu Konto transferiert wurde. Die Summe aller Transfers, d.h. der bargeldlose Zahlungsverkehr der Nichtbanken, betrug in Deutschland im Jahre 2018 : 55.820 Mrd. €. (vgl. Quelle *2)

Errechnen wir nun das Verhältnis:

Gesamtbedarf aus Steuern und Sozialabgaben in Deutschland in 2018: 1.428 Mrd. € 

Finanzvolumen über Geldtransfers in Deutschland in 2018: 55.680 Mrd. €

1.428 Mrd. € / 55.680 Mrd.€ = 2,56 %

Fazit: Über eine Besteuerung aller Finanztranaktionen innerhalb Deutschlands in Höhe von lediglich 2,56 % könnten alle bisherigen Einnahmen des Gesamthaushaltes ersetzt werden. Bürger und Unternehmen müssten zudem keine Steuererklärung mehr abgeben. Mit der automatisierten Abbuchung der Fintax in Höhe von 2,56 % auf alle Kontoüberweisungen wären alle notwendigen Steuern und Abgaben bereits geleistet. Hinweis: Die Transaktionen sollten aus Datenschutzgründen so anonymisiert werden, dass nur die Höhe der Einzelüberweisungen und nicht der Verwendungszweck einer individuellen Zahlung dokumentiert wird. 

Abschliessend bleibt noch die Frage, warum mit dieser Petition eine Fintax von 3,4 % anstelle von 2,56 % vorgeschlagen wird. Nach Angaben der Vereinten Nationen (siehe Quelle *3) lebten 2015 ca. 736 Mio. Menschen in extremster Armurt, d.h. ihnen steht weniger als 1,90 $ pro Tag (1,75 €/Tag) zur Verfügung. Nutzt man den o.g. Restbetrag von 0,84%, d.h. 467 Mrd. € für die Menschen, die sich in extremster Armut befinden, so könnten diese Menschen allein durch Deutschland mit 1,73 € pro Tag unterstützt und ihr Einkommen somit nahezu verdoppelt werden. Das Ziel der Vereinten Nationen, die größte Armut in der Welt bis zum Jahre 2030 zu beseitigen, könnte somit - allein durch den Beitrag Deutschlands - bereits 2022 erreicht werden.  Würden die Transferleistungen zugleich mit nachhaltigen Klimaschutzzielen verknüft, so wäre der weltweite Effekt umso bedeutsamer.

Weiterführende Informationen

*1 Statistisches Bundesamt / Ausgaben und Einnahmen des öffentlichen Gesamthaushaltes: https://bit.ly/2VUTIVi

*2 Statista / Umsätze des bargeldlosen Zahlungsverkehrs: https://bit.ly/2VPjbzr

*3 Vereinte Nationen / Ziele für nachhaltige Entwicklung 2019: https://bit.ly/2VQfrhb

*4 Bundeszentrale für politische Bildung / Allg. Informationen zum Gesamthaushalt: https://bit.ly/2VTsUoi

*5 Statistisches Bundesamt / Erläuterung Schalenkonzept öffentl. Hauhalte, S.13: https://bit.ly/3cKHtSd

Kontaktiere mich gerne zu diesen Vorschlag:

fin.tax@gmx.de


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  • stephandelapena

    Hey,

    Spannender Vorschlag auf den ersten Blick. Ich befürchte ein paar wichtige Elemente sind nicht berücksichtigt.... wie verhinderst du mit dem Modell, dass ein großes Unternehmen das alle möglichen Prozesse von der Ressourcenextraktion bis zum Verkauf (zum Beispiel durch Zukäufte) integriert in einen enormen Wettbewerbsvorteil gegenüber Unternehmen kommt, die nur Teilabschnitte vollbringen? (Im ersten Fall besteht theoretische nur eine einmalige Besteuerung, im zweiten Fall eine Besteuerung bei jedem Zwischenschritt).
    Das würde vermutlich "die Reichen noch reicher machen", da diese im Gegensatz zu weniger finanzstarken Akteuren die Möglichkeit weitreichender "vertikaler Integration" haben.

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      • Fin Tax
        Fin Tax  •  Verfasser*in  •  2020-04-24 15:24:50

        1. Aus meiner Sicht gibt es in unserer modernen Wirtschaft die Art von Unternehmen, die Du beschreibst, nur noch sehr selten. Die Wirtschaft hat sich zunehmend spezialisiert, differenziert und globalisiert, sichtbar durch OEMs in Asien (z.B. Foxcom produziert für Apple) aber auch durch Solo-Selbständige in Deutschland, die zuvor noch als Angestellte grösserer Unternehmen waren (Outsourcing).

        2. Selbst wenn es die Art von vertikal integrierten Groß-Unternehmen, die Du beschreibst, gäbe oder diese neu entstehen würden, so würde es dennoch innerhalb dieser Großunternehmen zahlreiche Finanztransaktionen geben, z.B. zur Bezahlung der Mitarbeiter, zur Anschaffung von Robotern, zur Bezahlung von Werbung, die dann in den Medien geschaltet wird. etc. Also, es gäbe zahlreiche Schnittstellen zu Bereichen innerhalb und ausßerhalb eines Unternehmens, bei denen Finanztransaktionen notwendig und sinnvoll sind.

        3. Der möglicherweise zunehmende Anreiz .. .=>Fortsetzung, siehe nähchster Kommentar

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          • Fin Tax
            Fin Tax  •  Verfasser*in  •  2020-04-24 15:25:35

            3. Der möglicherweise zunehmende Anreiz zu einer vertikalen integration bei der Erzeugung und Verteilung von Produkten könnte zudem z.B. in kleinem Maßstab auch positive Wirkungen haben, z.B. wenn ein Landwirt seinen Honig als Endprodukt herstellt, abfüllt und etikettiert und diesen dann direkt an Endverbraucher vermarktet. Hier spart der Bauer und der Endverbraucher Steuern im Vergleich zu einem Verkauf an einen Großhändler, sodann einen Einzelhändler bis zum Endkunden. Vor dem Hintergrund dass einige wenige Großhandelsstrukturen zur Zeit einen starken Einfluss auf die Produzenten in der Landwirtschaft ausüben und es kleinbäuerliche Strukturen besonders schwer haben, könnte eine geringere Steuerbelastung dirketer Vertriebswege sogar wirtschaftspolitisch wünschenswert sein.

            4. Schliesslich werden bei einer Zunahme der vertikalen Integration von Produktionsschritten Transportwege eingespart und die Abhängigkeit von Lieferketten reduziert. .=> Fortsetzung, siehe nähchster Kommentar

              • Fin Tax
                Fin Tax  •  Verfasser*in  •  2020-04-24 15:26:01

                5. Teil des Konzeptes ist, dass alle Marktteilnehmer, d.h. Unternehmen wie Bürger, sehr einfach nachvollziehen können, dass ihre Steuern nicht nur zur Finanzierung der Staatsaufgaben sondern auch zur Finanzierung ihrer eigenen Sozialleistungen (z.B. Krankenkasse) notwendig sind. Zudem gibt es auch noch den moralischen Aspekt, dass darüber hinaus ein Teil der Steuern zur Bewältigung der Armut in der Welt eingesetzt werden. Dieses recht einfach zu verstehendes Modell unterscheidet sich grundlegend von unserem derzeitigen, weitgehend unverständlichen Modell, bei dem man den Eindruck gewinnen kann, dass man „einfach nur zu dumm“ wäre, wenn man Steuern entrichtet. Wird hingegen eine Steuer als gerecht, gleichmäßig und sinnvoll empfunden, so erhöht dies die Steuermoral deutlich. .=> Fortsetzung, siehe nähchster Kommentar

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                  • Fin Tax
                    Fin Tax  •  Verfasser*in  •  2020-04-24 15:26:15

                    6.Es könnte durchaus sein, dass sich nach Umstellung des Steuersystems all die überaus schlauen Menschen und Unternehmen, die sich zur Zeit mit Strategien zur Steueroptimierung beschäftigen und dabei Wirtschaftsstrukturen mit besonders hoher Komplexität erfinden, gebeten werden, sich um eine Vereinfachung all dieser Strukturen zu beschäftigen sowie die effektive Verfahrenstechnik zur Ressourcen-, Energie,- Lager- und Mobilitätsoptimierung aufzubauen.

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              • Fin Tax
                Fin Tax  •  Verfasser*in  •  2020-04-24 15:26:55

                4. Schliesslich werden bei einer Zunahme der vertikalen Integration von Produktionsschritten Transportwege eingespart und die Abhängigkeit von Lieferketten reduziert. Dies kann zur Stärkung der Resilienz innerhalb der Wirtschaft beitragen (siehe aktuelle Probleme bei den Lieferketten durch Covid19) sowie auch Energie bzw. den CO2-Ausstoass durch geringeres Transportaufkommen reduzieren helfen.

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  • ClaudiaLoftslag

    interessanter Ansatz, aber wie verhinderst du, dass Leute und v.a. Betriebe das System aushebeln?
    Bezahlung mit Bargeld wäre eine Möglichkeit, aber hier könnte man immerhin noch was tun, indem man auch das Abheben von Bargeld mit einer Steuer belegt.
    Aber was, wenn Leute/Betriebe ein ausländisches Konto haben? Wenn Angestellte mit ihrem Arbeitgeber aushandeln, dass diese ihnen nicht das volle Gehalt überweisen, sondern die Miete gleich an den Vermieter (sodass 1 Überweisung gespart wird)? Und: Im Augenblick zahlen Reiche einen höheren Prozentsatz ihres Einkommens an Steuern als Arme. Dieser Effekt würde wegfallen, wenn wir die Überweisungen Armer und Reicher gleich besteuern (mal angenommen, dass niemand betrügt).

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      • Fin Tax
        Fin Tax  •  Verfasser*in  •  2020-04-23 13:19:03

        1. Das hier geschilderte Modell musste leider auf 4.000 Zeichen begrenzt erläutert werden. In meinem Vorschlag wird jedoch gefordert, eine öffentliche Debatte zu führen, um dabei alle denkbaren Einzelaspekte und Szenarien wie z.B. die im Kommentar formulierten, zu überprüfen und modellhaft durchzurechnen.
        2. Eine Bezahlung mit Bargeld ist weiterhin möglich, hier würde auch keine Steuer anfallen. Eine Steuervermeidung ist schon heute, und zwar in einer Höhe von 19% bei der Mehrwertsteuer möglich. Dennoch führt die 19%-ige Mehrwertsteuer nicht dazu, dass ein Großteil der Transaktionen ohne Rechnung stattfindet. Dies liegt daran, dass eine beleglose Transaktion auch keine rechtliche Wirkung entfaltet. Insbesondere bei größeren Beträgen sind aber beide Parteien sehr daran interessiert, dass eine rechtlich Bindung entsteht. Die Belastung mit einer deutlichen geringeren Steuer von 3,4 % dürfte also weniger Wirkungen haben, als die derzeitige Mehrwertsteuer.

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