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Tierschutzgerechte Alternativen für die Ferkelkastration ohne Betäubung

Wiebke Wiedeck Wiebke Wiedeck  •  2020-04-21  •  Andere  • 

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Wortlaut der Petition

Männliche Ferkel werden bis zum 8. Tag nach ihrer Geburt ohne Betäubung kastriert. Diese Vorgehensweise ist absolut unethisch und unmenschlich. Schon oft wurde dieses Thema dem Bundestag vorgelegt mit dem Wunsch, Alternativen zu schaffen. Und bis jetzt wurden diese Alternativen nicht eingeräumt. Der Bundestag möge nun endlich die möglichen Alternativen gesetzlich einfordern und verankern.

Begründung

Das deutsche Tierschutzgesetz schreibt in Paragraph 5 vor, dass ein schmerzhafter Eingriff bei einem Wirbeltier nicht ohne Betäubung durchgeführt werden darf. Es lässt allerdings die Ausnahme zu, dass Ferkel bis zu ihrem siebten Lebenstag ohne Betäubung kastriert werden dürfen (Tierschutzgesetz, Paragraph 5, vierter Abschnitt "Eingriff an Tieren"). Nachdem das Tierschutzgesetz 2013 geändert wurde, war die betäubungslose Kastration nur noch bis 31.12.2018 erlaubt. Mit Mehrheit der Abgeordneten der CDU, CSU, SPD und der AfD wurde aber am 30.11.2018 im Deutschen Bundestag entschieden, die Qualen der betäubungslosen Ferkelkastration um weitere zwei Jahre zu verlängern. Dieser Beschluss ist Verrat an den Ferkeln und am Staatsziel Tierschutz – die Branche bewegt sich nicht und die Regierungskoalition verlängert daher einfach das Leid der Ferkel, weil nun die Zeit für Anpassungen im Ferkelsystem angeblich nicht mehr reicht.

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Lokalanästhesie als "vierter" Weg vom Tisch

Obwohl tierschutzgerechte und praktikable Alternativen seit Längerem zur Verfügung stehen und die Branche lange genug Zeit hatte, sich auf das Verbot einzustellen, hatte sie versucht, die Kastration unter Lokalanästhesie durchzudrücken. Immerhin konnten sie diese Lösung nicht durchsetzen. Aus Tierschutzsicht ist dieses Verfahren keine tierschutzgerechte Alternative zur Kastration ohne Betäubung. Zahlreiche Studien zeigen, dass die Injektion von Lokalanästhetika einen zusätzlichen Stress- und Schmerzfaktor vor der Kastration darstellt und die Betäubung ungenügend ist, um den Kastrationsschmerz vollständig auszuschalten.

Alternativen sind verfügbar

Mit der Ebermast, der Impfung gegen Ebergeruch (Immunokastration) und der Kastration unter Vollnarkose und mit Schmerzmedikation gibt es drei Methoden, die bereits praxistauglich sind.

Für die Tiere wäre es das Beste, vollständig auf die Kastration zu verzichten, also unkastrierte Eber zu mästen. Eber haben zwar etwas höhere Ansprüche an Haltung und Management, die Ebermast ist aber die kostengünstigste und arbeitswirtschaftlichste Variante. Leider gibt es jedoch von Vermarktung und Lebensmitteleinzelhandel noch zu wenige Abnahmegerantien für die Landwirte.

Eine weitere Alternative, um auf die Kastration zu verzichten, ist die Impfung gegen Ebergeruch. Hierbei wird die Hormonproduktion der Eber nach dem Wirkprinzip einer Impfung unterdrückt. Die Methode wird bereits in vielen Ländern erfolgreich durchgeführt und ist mit einer zweimaligen Injektion unter die Haut im Vergleich zur Kastration eine sehr tierschonende Variante. Doch auch dieser Methode gegenüber herrscht in der deutschen Branche eine nicht nachvollziehbare Skepsis, weswegen sie bisher nur von wenigen Landwirten umgesetzt wird.

Aus Tierschutzsicht kann als Übergangslösung auch die chirurgische Kastration unter effektiver Vollnarkose und Schmerzmittelgabe eingesetzt werden. Gerade im Hinblick auf die noch bestehenden Vermarktungsschwierigkeiten bei den kastrationsfreien Alternativen ist dies eine wichtige Alternative. NEULAND-Betriebe kastrieren bereits seit 2008 alle männlichen Ferkel unter Vollnarkose mit dem Inhalationsgas Isofluran und mit begleitender Schmerzmittelgabe, welches ein effektives und tierschonendes Verfahren darstellt. Mittelfristig sollte aufgrund möglicher Nebenwirkungen und Wundheilungsstörungen jedoch komplett auf den chirurgischen Eingriff verzichtet werden.

Weiterführende Informationen

https://www.bmel.de/DE/Tier/Tierschutz/_texte/Ferkelkastration201811.html

https://www.tierschutzbund.de/information/hintergrund/landwirtschaft/schweine/ferkelkastration/

http://www.ferkelkastration.de/

https://www.bmel.de/DE/Tier/Tierschutz/_texte/Ferkelkastration201811.html;nn=310198

https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/lebensmittelproduktion/ferkelkastration-ohne-betaeubung-unsicherheit-beim-einkauf-bleibt-32028

https://provieh.de/fragen-und-antworten-zur-ferkelkastration

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  • Wiebke Wiedeck
    Wiebke Wiedeck  •  Verfasser*in  •  2020-04-21 17:23:29

    Eine Verordnung, die seit dem 17. Januar 2020 in Kraft getreten ist, regelt die Aufhebung des Tierarztvorbehaltes bei der Durchführung der Narkose mit Isofluran bei der Ferkelkastration. Sie ermöglicht es Landwirten oder anderen sachkundigen Personen, die Narkose durchzuführen. Isofluran ist lediglich ein Mittel, welches die Ferkel bewegungsunfähig macht. Sie schlafen unter Isofluran ein und sind nicht mehr bewegungsfähig. Isofluran ist nicht in der Lage, Schmerz auszuschalten.

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