12062020 Olympia Petitionsplattform

Zurück

Expert*innen-Wildcard: Endlich nachhaltig Bauen!

ArchitectsForFuture ArchitectsForFuture  •  2020-04-09  •  Klima und Biodiversität  • 

Petition_A4F_nachhaltiges_Bauen.png

Wortlaut der Petition

Ökologisch nachhaltige Baustoffe müssen günstiger und umweltschädliche teurer werden, damit sich endlich eine klimafreundliche und langfristig CO2-neutrale Bauweise durchsetzen kann. Dazu müssen die ökologischen Konsequenzen und daraus resultierenden Kosten von Baustoffen in deren Preise einfließen. Die zusätzlichen Einnahmen aus dem Aufpreis auf umweltschädliche Materialien werden für den Ausgleich ökologischer Folgen und für die Förderung umwelt- und klimafreundlicher Materialien genutzt.

Begründung

Diese Petition wurde von unseren Expert*innen bereits als eine der 13 Finalisten-Petitionen ausgewählt.*  

Aufgrund ihrer niedrigen Preise kommen aktuell vorrangig ressourcenintensive, umweltbelastende und nicht wiederverwertbare Baumaterialien zum Einsatz. Die aktuellen Marktpreise umwelt- und klimaschädlicher Bauprodukte sind so niedrig, da sie nicht die Kosten und Konsequenzen abdecken, die langfristig durch Produktion und Nutzung entstehen. Dazu gehören u.a. Entsorgungskosten auf Sonderdeponien, Verbrauch von nicht erneuerbaren Ressourcen und Umweltbelastung durch CO2-Ausstoß und Giftstoffe. Die daraus resultierenden finanziellen und ökologischen Konsequenzen tragen aktuell weder Verursacher*innen noch Verbraucher*innen, sondern werden stattdessen auf die Umwelt und zukünftige Generationen abgewälzt.

Der Bausektor in Deutschland ist mit Abstand der Wirtschaftszweig mit dem größten Ressourcen- und Energieverbrauch sowie mit der massivsten Müllerzeugung. So verursachen Gebäude ca. 40% des nationalen CO2-Ausstoßes, 90% der mineralischen, nicht nachwachsenden Rohstoffe fließen in die Baustoffproduktion und mit ca. 54% des anfallenden Abfalls trägt der Bausektor den größten Anteil unseres Müllaufkommens. Der Wandel im Bauwesen spielt also eine wesentliche Rolle, wenn wir die für uns überlebenswichtigen Klimaziele noch einhalten wollen!

Als Architects for Future wollen wir den wichtigen Einfluss der Baubranche auf Umwelt und Klima positiv nutzen und die Baubranche nachhaltig ausrichten und verändern. Daher fordern wir, dass alle durch Baumaterialien verursachten ökologischen Konsequenzen und daraus resultierenden Folgekosten in die Marktpreise von Bauprodukten einfließen müssen. Wichtig ist, dass hierbei alle Faktoren und Zusammenhänge der Umweltverträglichkeit des gesamten Lebenszyklus, angefangen bei der Rohstoffgewinnung über Transportwege bis hin zu Wiederverwertbarkeit und Entsorgungsaufwand, berücksichtigt werden.

Eine ökologisch realistische Berechnung der Materialpreise führt dazu, dass umweltschädliche Baustoffe weniger zum Einsatz kommen und sich klimafreundliche und wiederverwertbare Baustoffe auf dem Markt durchsetzen können. Billiges Bauen zulasten von Umwelt, Klima und zukünftiger Generationen gehört dann endlich der Vergangenheit an.

*Unser Expert*innenrat "Klima und Biodiversität" hat für diese Petition ihre Wild Card vergeben. Hier waren sich die Expert*innen einig: diese Petition hat riesiges Potential und gehört direkt in den Bundestag. Diese Petition gehört damit schon jetzt zu den 13 finalen Petitionen, die wir gemeinsam einreichen wollen. 

Weiterführende Informationen

Wir - ArchitectsForFuture - sind Teil der FridaysForFuture-Bewegung und überwiegend in der Baubranche beschäftigt. Mehr Infos auf https://www.architects4future.de/ueber-uns

Quellen zum Verbrauch des Bausektors: https://www.dbu.de/phpTemplates/publikationen/pdf/101214024519cr9s.pdf https://www.umweltbundesamt.de/daten/ressourcen-abfall/abfallaufkommen#bau-abbruchgewerbe-und-bergbauabfalle https://www.umweltbundesamt.de/daten/ressourcen-abfall/verwertung-entsorgung-ausgewaehlterabfallarten/bauabfaelle

Dieser Vorschlag wird unterstützt von:

Architects For Future e.V.

Kontaktiere mich gerne zu diesen Vorschlag:

Redaktion.A4F@gmx.de

Kontaktiere mich gerne, wenn du dich offline zu diesem Vorschlag austauschen möchtest. Für mich wäre dies möglich in:

Berlin


Sie müssen sich anmelden oder registrieren, um einen Kommentar zu hinterlassen.
  • Matthias Röhder Q1

    @Stefan - wenn es keine klimaneutrale Bauweise gibt, gibt es auch keine solche Sanierung. Ich gehe davon aus, dass alles was wir tun klimaneutral möglich ist. Die Definition ist da entscheidend. Wenn echte Ausgleichsflächen und CO2 bindende Massnahmen erfolgen wird Bauen mit Ökoprodukten günstiger als herkömmliches Bauen. Ich halte den Ansatz mit einer Verpflichtung zu erneuerbaren Energien wie in der Petition (Verpflichtung zu energetisch autarkem Bauen) gefordert für einen gangbaren Weg. Kurzfristig sind andere Dinge notwendig, aber wir dürfen das langfristige nicht vernachlässigen.

      • ArchitectsForFuture
        ArchitectsForFuture  •  Verfasser*in  •  2020-04-19 19:45:38

        Vielen Dank für den Kommentar! Vermutlich würde sich auch kurzfristig viel im Bauwesen ändern, wenn sich klimaschädliches Bauen wirtschaftlich nicht mehr lohnen würde. Andere Maßnahmen sind aber sicher zusätzlich auch sinnvoll und notwendig!

        Keine Bewertungen  |  Ich stimme zu 0
        Keine Rückmeldungen
  • Joa_Falkenhagen

    Ein wesentlicher Faktor umwelt- und vor allem klimaschädlicher Baustoffe ist der Zement und dessen energieintensive Herstellung. Hier gibt es aber Möglichkeiten, diesen anders herzustellen, die aber noch technisch in die Massenproduktion umgesetzt werden müssen und bei höherem Anteil erneuerbarer Energien Sinn machen. Für Baustahl gilt ähnliches. Beton wird dadurch teurer, Holz kann in manchen Anwendungen dadurch wettbewerbsfähig werden, aber die grundlegenden Möglichkeiten, (auch) mit Stahlbeton zu bauen, würden nicht in Frage gestellt.

    Keine Bewertungen  |  Ich stimme zu 0
    Keine Rückmeldungen
Keine definierten Meilensteine vorhanden