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Verstand einschalten - Baubestand erhalten!

ArchitectsForFuture ArchitectsForFuture  •  2020-04-09  •  Klima und Biodiversität  • 

Verstand einschalten - Baubestand erhalten (Foto: analogicus / Pixabay)

Wortlaut der Petition

Ein „​GebäudeBestandsschutzGesetz (GBG)​“ soll erlassen werden, um CO2-Ausstöße drastisch zu reduzieren und die Ressourcen unseres Planeten zu schonen. Abriss soll nur noch genehmigt werden, wenn er unbedingt erforderlich ist. In diesem Fall muss der ​Bauschutt​ bestmöglich ​sortenrein​ getrennt werden. Zugleich soll eine ​Muster-Umbauordnung​ eingeführt werden, die Sanierungen von Bestandsbauten so regelt, dass gegebenenfalls Abweichungen von den Richtlinien für Neubauten ermöglicht werden.

Begründung

Gebäude verursachen in Deutschland ca. 40% des nationalen CO2-Ausstoßes und die Bauwirtschaft ist weltweit die ressourcenintensivste Branche. Jedes Jahr werden etwa 560 Millionen Tonnen (das entspricht 90 %) aller in Deutschland verwendeten nicht erneuerbaren, mineralischen Rohstoffe für die Herstellung von Baustoffen und -produkten eingesetzt. Die Ressourcen werden bei gleich bleibendem Verbrauch bereits in wenigen Jahren erschöpft sein.

Außerdem verursacht die Baubranche 54% aller Abfälle in Deutschland, darunter über 90 Millionen Tonnen Bauschutt aus mineralischen, nicht erneuerbaren Rohstoffen. Das entspricht etwa dem Gewicht von 65 Millionen Autos (das sind mehr Autos als in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktuell zugelassen sind) - und das jedes Jahr!

Die Herstellung von Baumaterialien, deren Transport zur Baustelle und der Bauprozess sind sehr energieintensiv. Für das Errichten eines Gebäudes wird durchschnittlich ebenso viel Energie eingesetzt, wie man für den Gebäudebetrieb in ca. 17-25 Jahren verbraucht. Je länger ein Gebäude also genutzt wird, desto besser fällt dessen Ökobilanz aus. Wenn wir daher angesichts des Klimawandels den CO2-Ausstoß und den Ressourcenverbrauch drastisch minimieren wollen, müssen wir Bestandsgebäude erhalten und sanieren, statt sie abzureißen und neu zu bauen.

Eine nutzerorientierte Sanierung kann viel sozialverträglicher sein als ein Abriss nebst Neubau, da jener meist längere Bauzeiten mit sich bringt und zu dauerhafter Verdrängung der Mieter*innen führt.

Um den Umbau gegenüber dem Neubau stärker zu fördern, bedarf es außerdem spezifischer Regularien, z.B. in Form einer bundesweiten Muster-Umbauordnung. Die hohen baulichen Anforderungen sollen dadurch im Fall von Sanierungen (gerade bei einer Umnutzung) differenzierter angewendet als bei Neubauten und, sofern sie durch einen zu hohen Aufwand unzumutbar sein sollten, gegebenenfalls kompensiert werden können.

Darüber hinaus soll ein „GebäudeBestandsschutzGesetz“ verabschiedet werden, das den Erhalt von Gebäuden aus ökologischen und gesellschaftlich relevanten Gründen fördert (während das Denkmalschutzgesetz den Abriss von Gebäuden aus kulturellen Gründen vermeidet). Der Erhalt aus ökologischen Gründen sollte jedoch ebenfalls von großem allgemeinen Interesse sein, weil die durch unnötigen Abriss und Neubau entstehenden Folgen die Stabilität und die Gesundheit unserer Gesellschaft und auch unsere Umwelt gefährden.

Klimaschutz muss Teil unserer Kultur werden und somit auch der Erhalt von Gebäuden.

Weiterführende Informationen

Wir ArchitectsForFuture sind Teil der FridaysForFuture-Bewegung und überwiegend in der Baubranche beschäftigt. https://www.architects4future.de

Die Emissionen entehen durch Betrieb (Heizung, Warmwasser und Elektrizität), Produktion und Transport der Baustoffe sowie durch die eigentlichen Bauprozesse. z.B. Dr. Heinrich Bottermann, Generalsekretär dbu:https://www.dbu.de/phpTemplates/publikationen/pdf/101214024519cr9s.pdf

UNEP 2019. Sand and sustainability: Finding new solutions for environmental governance of global sand resources. GRID-Geneva, United Nations Environment Programme, Geneva, Switzerland.

https://www.mut-zur-nachhaltigkeit.zeit.de/aktuelles/so-bauen-wir-der-mensch heit-eine-zukunft​ Prof. Sobek schreibt hier sogar, es sei die Hälfte in einem Betrachtungszeitraum von 50 Jahren.

Dieser Vorschlag wird unterstützt von:

Architects For Future Deutschland e.V.

Kontaktiere mich gerne zu diesen Vorschlag:

Redaktion.A4F@gmx.de


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  • Uli F Wischnath (BAUWENDE)

    Liebe Architects For Future,
    ein wichtiger Vorschlag: Bestandserhaltung vor Abriss (und Neubau). Nur so wird Klima- und Ressourcenschutz und die Bedrohung anderer planetarer Grenzen (z.B. Biodiversität durch Flächenfraß) adressiert.
    Wie Prof. Sobek, kommen auch wir zu Energieverbrauch für die Herstellung = 50 Jahre Nutzung (s.a. Factsheet graue Energie auf https://bauwende.de/factsheetgraueenergie/). Wird, wie im Factsheet, eine dynamische Ökobilanz gerechnet, dann gehen sogar 80 % der Treibhausgas-Emissionen auf die Herstellung zurück.
    Ich würde vorschlagen den Term "unbedingt erforderlich" durch etwas zu ersetzen, was die zugrunde liegende Absicht "Erhalt aus ökologischen Gründen" präziser wiedergibt. In etwa: Ein Abriss ist nur zulässig, wenn die (dynamische) Ökobilanz des Vorhabens Abriss und Neubau um mindestens XY % besser ist als die einer Sanierung und ggf. Erweiterung.
    Beste Grüße Uli

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      • green-energy-scout

        Lieber Uli, danke für deinen Kommentar. Wir haben auch sehr lange über die Zahlen debattiert. Wir wollten Tendenzen markieren. Du wirst mir sicherlich zustimmen, dass wenn wir zwei eine Ökobilanz rechnen wir auf unterschiedliche Ergebnisse kommen. Deine Tendenz ist klasse und danke für die scatchy factsheets.

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