12062020 Olympia Petitionsplattform

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Gebäude brauchen Klimaschutzgesetze!

Dr. Braune, Prof. Rudolph, Dipl.-Ing. Wengert, R. Montigel Dr. Braune, Prof. Rudolph, Dipl.-Ing. Wengert, R. Montigel  •  2020-04-08  •  Klima und Biodiversität  • 

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Wortlaut der Petition

Die Bundesregierung soll ein Gebäude-Klimaschutzgesetz erarbeiten, welches auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen zum 1,5°C-Reduktionspfad fußt. Es formuliert ambitionierte Klimaschutz-Anforderungen für Gebäude und deren konsequente Umsetzung. Für Sanierungsmaßnahmen wird eine massive Förderung im Bundeshaushalt bereitgestellt. Der Neubau muss ab sofort klimaneutral sein, und zwar über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes, also inklusive Herstellung aller Materialien, Betrieb und Rückbau.

Begründung

Gebäude verursachen in Deutschland ca. 35% der CO2-Emissionen. Um eine Chance auf das Einhalten des 1,5°-Ziels, dem sich auch die deutsche Bundesregierung im Pariser Klimaabkommen verpflichtet hat, zu wahren, muss daher mit sofortiger Wirkung ambitioniert auf einen klimaneutralen Gebäudebestand hingewirkt werden. Die “Währung” des Klimawandels ist CO2. Der erste Schritt muss daher die Umstellung auf CO2 als Bewertungsgröße sein. Die bisherige Kenngröße Primärenergie ist ein Relikt aus der Ölkrise des letzten Jahrhunderts und hat ausgedient.

Heute ist es bereits problemlos und wirtschaftlich möglich, Gebäude klimaneutral zu erstellen, zu sanieren, zu betreiben. Sowohl technische als auch passive Lösungen für Gebäude aller Klassen und aller Jahrgänge sind bekannt und erprobt. Das gilt für den Gebäudebestand ebenso wie für den Neubau. Leider stockt die Umsetzung dieser Lösungen, wie die energetische Modernisierungsrate von unter 1% pro Jahr deutlich zeigt. Daher braucht es eine effektive, zielgerichtete Regulierung auf Gesetzesebene statt zahnloser, freiwilliger Vereinbarungen. Heutige Niedrigsteffizienzstandards sind bestenfalls veraltet, schlimmstenfalls mutlos. Diese gesetzlich geforderten Standards müssen dringend und mit Elan angezogen werden. Ein Gebäude-Klimaschutzgesetz bietet diese Regulierung.

Kern der Regulierung muss neben dem Umschwung auf CO2 als Bewertungsgröße auch die Verankerung der Lebenszyklus-Betrachtung sein. Nur so entsteht auf Dauer ein Gebäudebestand, der spätestens 2050, besser jedoch früher, wirklich klimaneutral ist. Dazu müssen alle Lebensphasen in die Bilanzierung einbezogen werden, denn alleine die Herstellung von Baumaterialien führt zu größeren Emissionen als der globale Flugverkehr und zu erheblichen Umwelt- und Sozialproblemen in den Zulieferindustrien und -ländern.

Um die Wirksamkeit des neu zu schaffenden Gebäude-Klimaschutzgesetzes sicherzustellen, fordern wir eine stringente Verknüpfung in die Förderinstrumente des Bundes, sodass Fördermittel nur freigegeben werden, wenn weitreichende und effektive Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt werden. Bei Sanierungsvorhaben muss detailliert dargelegt werden, in welchen Schritten, zu welcher Zeit welche Maßnahmen umgesetzt werden, die bis spätestens 2050 die Klimaneutralität des jeweiligen Objekts sicherstellen.

Insbesondere für Privatpersonen, deren Immobilie in Selbstnutzung steht oder zur Altersvorsorge dient, sollen die notwendigen, aber anspruchsvollen Neuerungen keine unvertretbare Mehrbelastung sein. Klimaschutz ist eine globale Aufgabe und darf nicht auf dem Rücken einzelner Privatpersonen ausgetragen werden. Daher muss die Möglichkeit einer gerechten Förderung der neuen, ambitionierten Vorgaben gegeben sein. Dafür muss das Bundeshaushaltsgesetz entsprechend angepasst werden. Dadurch wird es möglich, gesetzlich geforderte Standards finanziell zu fördern.

Weiterführende Informationen

https://issuu.com/dgnb1/docs/dgnb_broschuere_klimapositiv_issue

https://www.dgnb.de/de/themen/klimaschutz/klimaneutrale-gebaeude-und-quartiere/

https://www.iwd.de/artikel/energetische-gebaeudesanierung-ausbaufaehig-286008/

https://issuu.com/dgnb1/docs/180410_dgnb_lca_leitfaden?e=0

https://www.dgnb.de/de/themen/klimaschutz/rahmenwerk/

 

Dieser Vorschlag wird unterstützt von:

Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen - DGNB e.V.

Kontaktiere mich gerne zu diesen Vorschlag:

r.montigel@dgnb.de


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  • MartinHuck

    Zitat aus eurer Petition: "Dazu müssen alle Lebensphasen in die Bilanzierung einbezogen werden, denn alleine die Herstellung von Baumaterialien führt zu größeren Emissionen als der globale Flugverkehr und zu erheblichen Umwelt- und Sozialproblemen in den Zulieferindustrien und -ländern."

    Wie wäre es, wenn alle ökologischen Kosten internalisiert , sichtbar wären und bezahlt werden müssten? Dann würden ökologische Baustoffe z.B. Dämmung mit Holzfasern oder mit Steinwolle einen ökologischen Kostenvorteil gegenüber Styropor (Erdöl, CO2) haben. Gleichzeitig würde es sehr wirtschaftlich Gebäude aufzurüsten und neue Technologien (Wärmerückgewinnung, Wärmepumpen, ...) wären konkurrenzfähig. Damit ergibt sich ein Berührpunkt zu https://petitionen.12062020.de/budgets/1/investments/254

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    Moderator*in #1  •  2020-04-16 12:31:35

    Hallo Mitgestalter*innen,

    wie schön, dass Ihr Olympia mitgestalten möchtet und Euch auf der Plattform so aktiv beteiligst!

    Uns ist aufgefallen, dass Euer Petitionsvorschlag dem von “yaskel” sehr ähnelt (Link: https://petitionen.12062020.de/budgets/1/investments/150). Nutzt doch unsere Möglichkeit, Euch miteinander zu vernetzen und gemeinsam an nur einem Vorschlag weiterzuarbeiten (z.B. über unseren Slack-Workspace: https://join.slack.com/t/12062020-petitionen/shared_invite/zt-d2liymt2-hVEU9Cvs9P6ZuNVEckGIlw). Zusammen sind wir stärker als allein :)
    Um die Plattform so übersichtlich wie möglich zu gestalten, würden wir Euch gerne bitten, einen Eurer beiden Vorschläge zu löschen, wenn Ihr zu einer gemeinsamen Lösung gekommen seid.

    Vielen Dank!
    Dein Olympia-Moderationsteam

      • restado.de

        @Moderation gibt es ein Update dazu, ob die beiden PetitionensverfasserInnen zusammengearbeitet haben? Der andere Vorschlag wird in der Petitionsübersicht zu Klima & Biodiversität ja nicht mehr angezeigt. Uns fehlt in diesem Vorschlag eine konkreter Bezug auf Kreislaufprinzipien und ein Fokus auf die Vermeidung von Abfällen. Ein Gebäude-Klimaschutzgesetz sollte sich auch mit der Wiederverwendung von Baustoffen, Konzepten wie "design for disassembly", selektivem Rückbau etc. und der Qualität von rezylierten Baustoffen befassen.

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  • Peter Moesle

    Die Methoden den CO2-Fussabdruck von Gebäude ganzheitlich zu bilanzieren sind vorhanden und erprobt. Wenn wir dieses Praxiswissen nun nicht als neuen Standard zu nutzen machen und entsprechend über Baugenehmigungen einfordern haben wir uns als Gesellschaft in unserer Entwicklung aufgegeben.
    Peter Mösle

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  • Stuttgart

    "The Global Warming" mit allen damit verbundenen Konsequenzen ist die größte Herausforderung, der wir uns alle weltweit zu stellen haben! Alle Lebensbereiche sind sind aufgefordert, Lösungen zu entwickeln, um diese Erwärmung zu stoppen. Dem Bau- und Planungsbereich kommt dabei eine besondere Aufgabe zu ... Gebäude und Stadtsysteme insgesamt auf den Prüfstand zu stellen. Dafür sind messbare Beurteilungskriterien für alle Maßnahmen aufzustellen, die in die Bau- und Planungsgesetzgebung verbindlich aufzunehmen sind. Ein Weiter so wie bisher wird uns sehr schnell unsere Grenzen aufzeigen.
    PROF. WULF DASEKING / FREIBURG

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  • K2H

    1.) Jede kWh die durch konstruktive Maßnahmen am Bau eingespart werden kann, muss nicht durch (immer aufwändigere und damit teurere) Technik reduziert werden. Was dann einen "doppelten" Einspareffekt hat.
    2.) Würden nachwachsende und natürliche Baustoffe (Holz, Lehm, Stroh, usw.) mehr und besser publik gemacht werden, vor allem in der Ausbildung /dem Studium von Architekten und Planer, würde sich deren Verbreitung (fast) von alleine einstellen.
    Gute Ansätze seitens der Politik dafür gibt es zwar schon, siehe z. B. unter fnr.de, oder den diversen Programmen der KfW und BaFa, aber leider noch viel zu wenig.

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